Tretauto Geschichte – Historie und Entwicklung eines beliebten Kinderspielzeuges
25. Juni 2010 von admin
Kaum waren die ersten motorbetriebenen Fahrzeuge auf dem Markt wurden diese schon für Kinder en miniature nachgebaut. Oftmals von Manufakturen, die eigentlich anderen Produktionszweigen nachgingen. Die ersten Tretautos wurden in Deutschland um 1900 hergestellt. Allerdings konnten es sich nur reiche Familien leisten. Ein solch großes Blechspielzeug kostete damals etwa 72 D-Mark, das entsprach einem durchschnittlichen Monatslohn. Zunächst wurden diese Tretautomodelle keinem bestimmten Vorbild nachempfunden. Erst später überboten sich die verschiedenen Hersteller hinsichtlich der Detailtreue. Die amerikanische Firma Reo Motor Company hatte das Tretauto als Instrument der Markenbindung in der Kinderstube als erste erkannt
und stellte ab 1906 pedal cars ihrer eigenen Fahrzeuge her. Bis in die 1920er Jahre handelte es sich meist um in Handarbeit gefertigte, sehr aufwendig gestaltete Einzelstücke. Diese waren für die durchschnittliche Familie unerschwinglich. Die Tretautos wurden aus Blech, Kunsstoff oder Sperrholz hergestellt. Tretautohersteller waren unter anderem Ferbedo, Steiff, Giordani, Eureka, Raimondi und Corrado oder Lines Bros. Tri-ang Toys. Viele bekannte Automobilmarken der damaligen Zeit wurden verkleinert nachgebildet, so zum Beispiel Citroen, Volkswagen, Renault, Bugatti aber auch Wanderer, Jaguar, Bentley und Rolls Royce.
In Anlehnung an frühere Tretautos produzieren einige Hersteller verschiedene Tretautos in nostalgischer Optik aus Blech mit dem klassischen Pendel-Antriebskonzept (erst in den sechziger Jahren hat die Firma Kettler bei ihrem Kettcar den Kreisantrieb wie bei einem Fahrrad eingeführt). Für den konsequenten Sammler kommen solche Repliken eher weniger in Frage, aber für den Ästheten oder für Eltern mit einem Faible für Nostalgie sind diese Tretfahrzeuge sicher eine schöne Alternative zum Kettcar beziehungsweise zu den teuren Originalen, die zudem mittlerweile zu schade zum Fahren sind.
Eine etwas fragwürdige Interpretation eines Tretautos hat die Firma Audi vor ein paar Jahren mit dem Modell des Auto Union Rennwagen Typ C auf die Beine gestellt. im Maßstab 1:2 wurde dieser Bolide aus über 900 Einzelteilen zusammengesetzt und protzte mit vielen Details. In einer Auflage von 999 Stück wurde bzw. wird es zu einem Preis um die 10.000 Euro angeboten. Da erscheint die Absicht, den Morgan Threewheeler in einer Stückzahl von 500 Exemplaren zu einem Preis von 2.500 Euro im Maßstab von etwa 1:1,5 zu vertreiben, erschwinglicher aber ebenfalls weit weg von dem ursprünglichen Gedanken, den Kindern “automobile Freiheit” zu ermöglichen.
Die weltweit größte Tretautosammlung besaß Herr Manfred Klauda aus Hamburg mit 454 verschiedenen Exemplaren. Leider wurde diese Sammlung nach seinem Tode im Jahr 2000 durch die Veräußerung über Auktionen zerschlagen, unter anderem, weil sich für sein “Zentrum für Außergewöhnliche Museen” keine langfristige Lösung gefunden hatte.
Aktuell findet man im Internet zum Beispiel die schöne Tretautosammlung des Herrn Georg Hingerl. Insgesamt hat er etwa sechzig Fahrzeuge zusammengetragen. Besonders charmant ist es, dass er diese Fahrzeuge nicht restaurieren lässt, sondern in dem bespielten Zustand dem Publikum präsentiert.
Spezielle Restaurierungsbetriebe für Tretautos sind in Deutschland schwer zu finden. Während sich in England und Frankreich ein paar Spezialisten einen Namen machen, ist hierzuland der Weg zu einem Oldtimer-Restaurator vielleicht nicht der Schlechteste. Die Blech- und Lackierarbeiten können hier mit dem Gespür für altes Material erledigt und Fehlteile nach Vorlage gefertigt werden. Man sollte aber auf jeden Fall vorher die Kosten klären. Nicht selten übersteigen die Restaurierungskosten den Wert des Fahrzeuges.
(Stand 25.06.2010)
